Analyse einer tiefen Depression – die Pubertät
Vorwort: An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass alles hier geschriebene nicht auf eine bestimmte Person abzielt, sondern eine Zusammenfassung darstellt, aus Erfahrungen, Gesprächen und Erlebnissen, die nichts mit dem Autor oder deren Angehörigen zu tun hat. Wenn Zuschauer Sendungen wie “Hotel Mama” sehen, sind dies auch Geschichten, die aus einem Drehbuch hervorgehen – schon allein zum Schutz des Protagonisten – wer zu meinen Themen etwas zu sagen hat, darf ruhig Kommentare hinterlassen – Danke!
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„Ich könnte alles in der Luft zerreißen!“
„Du verstehst mich nicht, keiner versteht mich!“
„Du hörst mir nie zu!“
Da sitzt nun ein verzweifeltes Häuflein Elend vor den Eltern, weint und versteht im Grunde sich selbst nicht mehr. Das Kind befindet sich in der Hochphase der Pubertät. Sie möchte einerseits gerne Erwachsen sein, anderseits fehlt ihr aber das Bewusstsein, was es bedeutet wie ein Erwachsener zu denken und zu handeln.
Die Eltern haben ihr ein stabiles Gerüst mit Geländer gebaut, an dem sie sich festhalten kann und stetig hoch ziehen, aber das will sie wohl nicht. Statt diese Hilfe in Anspruch zu nehmen, schwebt sie lieber freihändig auf einem losen Seil. Zwischendurch trägt sie dann eine rosa, bisweilen auch dunkelschwarze Spiegelbrille die aufschlussreich ihre Gefühlsebene widerspiegelt.
Händeringend sucht das Kind nach Argumenten, zeigt den Eltern Wege die es gehen will, nur nicht den, der vor ihr liegt. Das Fatale daran, den Weg hat sie sich selbst ausgesucht.
Das Kind ist 17 Jahre und befindet sich in der Endphase ihrer Schulausbildung zur Maskenbildnerin. Sie hat sich diese Ausbildung selbst ausgesucht. Sie hat Talent und die Eltern unterstützen sie gerne.
Die Vorgaben der Berufsschule sind klar gegliedert. „Nur wer lernt kommt weiter!“
Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Nun beginnt aber diese „Nullbock-Phase!“ oder „Lebensfindungsphase“, ob auch dieser Weg der richtige ist oder ob nicht doch ein anderer Weg besser wäre. In dieser Selbstfindungsphase hat das Kind das Ziel vor den Augen verloren. Alles andere ist wichtiger, nur nicht lernen und schon gar nicht für die blöden Lehrer. (Ja, sie hat immer noch nicht begriffen, dass sie das eigentlich für sich macht!)
Die Mutter wirft einen Blick zurück in die eigene Pubertät
Damals, mit 16, war sie ein Aschenputtel, befand sich in der Ausbildung zur Verkäuferin, musste in der Freizeit auf den 10 Jahre jüngeren Halbbruder aufpassen, weil die ätzende Stiefmutter, die ihren Sohn immer bevorzugte, arbeiten ging. Der Vater war ein Tochterprügler (du bist wie deine Mutter- haudrauf) und an den Wochenenden stetig alkoholkonserviert. Das einzige Ziel: „Ich will hier raus!“. Mit 19 hat sie einen Mann kennengelernt und sich konsequenter Weise von ihren Erziehungsberechtigten gelöst – bedingungslos – bis dato kontaktlos.
Sie wurde nicht aufgefangen, sie hatte kein Gerüst und kein Geländer und hat dennoch ihren Weg gefunden. Nun zur Masterfrage? “Macht sich die Mutter zu viele Gedanken um ihr Kind? Soll sie es einfach laufen lassen?”
Eigentlich will sie nur, dass sie es besser hat als sie selbst, sie möchte ihr das geben, was sie selbst schmerzlich vermisste – aber das ist nicht das was ihr Kind vermisst.
Also weiter in der Analyse und der Findung einer Problemlösung
Die Gefühle stehen vor der Entscheidungsfindung. Alle sind schuld, nur das Kind nicht.
Sie diskutieren und je mehr die Mutter versucht über die Argumente des Kindes nachzudenken und eine Lösung zu finden, umso mehr kommt sie mit sich überein, dass es sinnlos ist. Mit diesem Kind zu reden ist als würde man einem Ochs ins Horn petzen.
„Mein Bruder ist auch sitzen geblieben, dann kann ich doch auch mal wiederholen!“
Sie will sich rechtfertigen für ihr Schulschwänzen und „nicht lernen wollen“, das Kind spielt lieber oder beschäftigt sich vorwiegend mit Facebook posten und anderen kreativen Hobbys. Sie hat noch kein Mittelmaß gefunden, alles machen zu dürfen und auch können, sobald es die Zeit erlaubt.
„Ich raff das nicht, meine Klassenkameradin (18) wohnt schon alleine, warum darf ich nicht auch alleine wohnen!“
„Ich kann nicht lernen, wenn ihr im Haus seid!“
„Mein Bruder nervt mich, wie soll ich mich da konzentrieren!“
„Mein Zimmer ist zu klein!“
Sie möchte gerne eine eigene Wohnung, weil sie glaubt dann besser in der Schule zu sein, dann schaut ihr niemand auf die Finger. Sie redet permanent um den heißen Brei, alles andere ist Schuld an ihrem “Versagen” nur sie selbst nicht.
„Mein Leben ist ein Chaos – schau mal genauer hin!“ (Ich und Ich)
Wer ist nun verzweifelter die Mutter mit Fragezeichen auf dem Kopf oder das Kind, dass mitten in der Diskussion auf einmal sagt: „Ich hab Hunger und keiner macht mir war!“
Die Mutter musste lachen und sagte: „Siehst du genau das ist dein Problem, du willst alles, aber nichts davon selbst machen. Alle anderen sind schuld, nur du nicht. Nimm dein Leben doch einfach selbst in die Hand. Zeig´s uns!“
„Genau“, schreit das Kind mit geballten Fäusten, „Euch werde ich es zeigen!“
„Endlich, genau das ist es, was ich von Dir hören wollte! Ja, komm schon zeig´ uns was du drauf hast, sei besser als wir, sei besser als alle anderen! Ran, mach, los, geh …. Du schaffst das!“ feuert die Mutter das Kind an.
Die Euphorie wurde allerdings postwendend wieder auf den Nullpunkt gebracht, als das Kind ihrer Mutter den Mittelfinger entgegenstreckt und sagte: „Fick dich!“
Unweigerlich denkt die Mutter an die Tilmanns Toasty Werbung: „Don´t call „Fick dich“ to your Mother!“ Wusch und das Kind fliegt durch die Luft….
Da hat doch ein böser Kasper diesem zarten Wesen zwischen die Synapsen gespuckt, prompt kam es zu einem Kurzschluss.
Nachtrag:
Der nächste Tag, es ist 10:00 Uhr morgens, das Kind wollte zuhause bleiben und für die Schule lernen. Die Mutter hat das Kind nun schon zum zweiten Mal geweckt: „Du willst doch für die Prüfung lernen!“
„Ja“, murmelt sie, dreht sich um und schläft weiter.
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Kommentare (3)
Sie muss die Möglichkeit haben Fehler zu machen und diese auch gewiss machen dürfen. Eltern sollten nicht das Leben des Kindes in die Hand nehmen. Sie sollten es unterstützen, aber letztendlich sollte es die Entscheidung des Kindes sein, was es mit seinem Leben anfängt. Und wenn es im Leben auch i.wann so richtig am Boden ist. Dafür ist die Familie da. Dem Kind neuen Mut bzw. genügend unterstützung in solchen Fällen zu geben. Das mit dem Vergleich zu früher hat auch nichts zusagen. Es tut mir zwar alles wirklich sehr leid und hört sich echt schwer an. Aber es ist nachgewiesen, dass in der heutigen Zeit jeder dritte unter Depressionen leidet, da der berufliche Stress und die Zuspitzung der wirtschaftlichen Lage die Menschen unter druck setzt. Aber ich kann nur Raten, etwas auf Abstand zu gehen, also dem Kind freiraum zulassen. D.h. nicht im Stich lassen, sondern ihm die Möglichkeit zu geben (natürlich mit unterstützung) das Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Diese Depression soll kein Krankheitsbild darstellen, sondern lediglich Machtlosigkeit auf beiden Seiten feststellen. Denn nur aus einer solchen Niedergeschlagenheit heraus kann ein Neustart gelingen. Nach dem Motto ohne Dunkel kein Hell, ohne Licht kein Schatten …
Klar. Das kann aber auch nach hinten losgehen.